Honoré de Balzac: Über das elegante Leben

„Der Mensch, der in der Mode nur die Mode sieht, ist ein Dummkopf.“

Honoré de Balzac
Über das elegante Leben.
Nach der Übersetzung von W. Fred ergänzt, aktualisiert und kommentiert von Constanze Derham
128 Seiten, 13 Illustrationen, Hardcover Format 10,9 x 15,4 cm
ISBN 978-3-948255-10-7
Ladenpreis 16,00 Euro (inkl. 7% MwSt)

Erscheint am 29. 3. 2021!

Worin besteht wahre Eleganz? Kann jeder Mensch elegant sein? Ist Eleganz erlernbar oder ist sie eine Gabe?
Honoré de Balzac geht als aufmerksamer Beobachter der französischen Gesellschaft um 1830 ebenso spöttisch wie ironisch diesen Fragen auf den Grund. Unter Berufung auf den britischen Ur-Dandy Beau Brummell, Experte in allen Fragen des Stils und der Mode, entwirft er eine „Elegantologie“ der besseren Gesellschaft, ihrer Manieren und sozialen Codes.

In dieser unterhaltsamen Plauderei verknüpft Balzac die Geschichte der Bekleidung in Frankreich mit der gesellschaftlichen Entwicklung und analysiert den guten, den „richtigen“ Geschmack als Mittel des Sozialprestiges. Er erfasst damit das Wesen der Mode als ein Phänomen, das beständig zwischen Individualität und Konvention schwankt und legt damit den Grundstein für eine umfassende Theorie der Mode.

Balzacs Artikel „Über das elegante Leben“ erscheint hier neu überarbeitet und erstmals vollständig auf Deutsch. Ein umfangreiches Glossar – „Balzacs ABC der Eleganz“ – erläutert historische Begriffe und die im Text erwähnten Personen.

Mit 13 ganzseitigen Illustrationen nach Modekupfern aus den bekanntesten Pariser Mode- und Salonzeitschriften zu Balzacs Zeiten: aus „La Mode“, dem „Journal des Dames et des Modes“ und dem „Petit Courrier des Dames.“

Auszug

„Jedoch, meine Herren“, fuhr Brummell fort, „gibt es eine Tatsache, die alle anderen beherrscht. Der Mensch kleidet sich an, bevor er irgend etwas tut, spricht, geht, isst. Alle jene Handlungen, die der Mode unterliegen, wie das Benehmen, die Konversation und so weiter, sind immer nur die Folgen der Toilette, die man gemacht hat. Sterne, dieser wundervoll feine Beobachter, hat sehr geistvoll ausgesprochen, dass die Ideen, die einem rasierten Menschen kommen, nicht dieselben sind, die ein unrasierter hat. Wir alle unterliegen dem Einfluss unserer Kleidung. Ein Künstler im Gesellschaftsanzug arbeitet nicht mehr. Eine Frau im Morgenmantel oder zum Ball angezogen – ist nicht mehr die gleiche; man könnte sagen: es sind zwei Frauen!“

Bei diesen Worten seufzte Brummell.

„Unsere Manieren in der Früh sind nicht mehr die gleichen wie abends“, sagte er dann. „Georg IV., dessen Freundschaft mir eine so hohe Ehre war, hat sicher von sich am Tag seiner Krönung eine höhere Meinung gehabt als am Tag darauf. Die Kleidung ist also die gewaltigste Änderung, die das soziale Individuum zu erfahren hat; sie lastet auf der gesamten Existenz. Ich glaube also nicht, mich gegen die Logik zu vergehen, wenn ich Ihnen vorschlage, Ihre Arbeit so einzuteilen:

Sie setzen zuerst in Ihrem zweiten Teil die allgemeinen Gesetze des eleganten Lebens fest, dann müssen Sie im dritten von jenen Dingen handeln, die in unmittelbarer Beziehung zum Individuum selbst stehen, und da zuerst von der Kleidung. Dann soll meines Erachtens der vierte Teil den Dingen gewidmet sein, die unmittelbar aus der Persönlichkeit hervorgehen und die ich als Beiwerk betrachte.”